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Sirius
BeitragVerfasst am: 18. Jun 2006 02:19    Titel: Naturalismus

Der Einwand von McHarms ist sicher richtig. Doch auch sonst besteht zwischen den beiden Positionen kein unbedingter Widerspruch.
Auch Karl Marx, auf den sich die Arbeiterbewegung damals bewusst (wenn auch nicht immer wissend) bezog, hat die Funktionsgesetze des Kapitals untersucht und festgestellt, dass die Gesellschaft im Kapitalismus notwendigerweise so ist, wie sie ist. Die Folge war jedoch nicht Fatalismus ("also kann man nichts machen"), sondern die Feststellung, dass eine Veränderung der Verhältnisse IM Kapitalismus nicht möglich sei und so die Überwindung des Kapitalismus, die völlige Umwälzung der wirtschaftlichen Ordnung ("Revolution") Voraussetzung der Veränderung. Diese sah er auch nicht als voluntaristischen Prozess ("Revolution machen"), sondern als historische Notwendigkeit eben aufgrund der analysierten Widersprüche des Kapitals. Also: Analyse und Veränderung haben mehrere mögliche Verbindungsebenen - in der Ökonomie, der Philosophie und eben auch der Literatur.
Kompliziert, aber ist so...

Mit naturalistischen Grüßen
Sirius
MacHarms
BeitragVerfasst am: 17. Jun 2006 08:44    Titel:

Ich würde irgendwelche Diskrepanzen um den Begriff "Naturalismus" mit folgender These erklären:
Naturalismus ist nicht gleich Naturalismus!

Extrem ausgedrückt muß jemand, der dem Naturalismus in der bildenden Kunst huldigt (fotografisch-genaue Abbildung), nicht auch zwangsläufig dem Naturalismus im naturwissenschaftlichen oder philosophischen Sinne nahestehen. Umsomehr gilt das natürlich für "naturalistische" Betrachtung politischer oder soziologischer Vorgänge.
Meinetwegen auch so: jeder versteht unter "Naturalismus" etwas anderes.
Ich auch.


Gruß von der Waterkant,

Peter
John844
BeitragVerfasst am: 16. Jun 2006 18:31    Titel: Naturalismus

Hallo! Ich hab eine Frage zum Naturalismus. Und zwar heißt es, daß die Naturalisten mit der Arbeiterbewegung sympathisierten und auf die sozialen Probleme aufmerksam machen wollten. Was ja bedeutet, daß sie gesellschaftlich etwas ändern wollten. Andererseits heißt es aber dann, daß sie auch (durch Wissenschaft) zeigen wollten, warum die Welt so ist wie sie ist, und daß der Mensch determiniert ist und keinen freien Willen hat. Das nun klingt für mich eher nach Fatalismus. Warum wollten sie literarisch zu einer Verbesserung der sozialen Situation beitragen, wenn alles so war wie es zu sein hatte? Was verstehe ich hier falsch? Wäre froh, wenn mir jemand was dazu sagen kann.

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