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Wolf Wondratschek
 
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Markus
Gast





BeitragVerfasst am: 19. Feb 2006 23:07    Titel: Wolf Wondratschek Antworten mit Zitat

Guten Abend, Ihr!

Bevor ich zu meinem Problem komme, möchte ich mich mal kurz vorstellen: Ich heiße Markus, besuche die Oberstufe (11. Klasse) und habe tierische Schwierigkeiten bei Interpretationen aller Art.

Zur Zeit nehmen wir Gedichtinterpretationen durch, doch da erst die Lehrerin für zwei Wochen, dann ich für eine Woche, ausgefallen ist, habe ich noch ein paar Lücken, die ich nichtmal mit Freunden aufarbeiten kann.

Es geht um das Gedicht "Fliehende sind wir" von Wolf Wondratschek[1983] (nicht der beliebteste Autor, wie ich diesem Forum entnehmen darf Augenzwinkern )

Das Gedicht lautet folgendermaßen:

"Ungleiches Paar, beide
kalt genug für das kälteste Unglück
Gegner, die auf keine zweite
Chance warten -

solche Gegner gehen niemal einen Schritt zurück
und bleiben doch einander unnahbar bis in ihr Schweigen
in dem, was einmal Feuer war und Liebesglück
ausglüht zu Asche

Und wie auf Gesichtern von Toten
siehst du ihr letztes Erstaunen erkalten
Fliehende sind wir, die sich festhalten

Reisende durch leere Zimmer
Gleichgültig schluchzen die Geigen noch immer
Sterbende betteln um Dollarnoten"

(aus: Wolf Wondratschek, Die Einsamkeit der Ehemänner)


Vorab schon soviel: Da ich am Dienstag die Klausur über Gedichtinterpretationen schreiben muss, habe ich die Hoffnung fast schon aufgegeben, ein gutes Ergebnis in dieser Klausur zu erzielen. Ich hoffe jedoch, in Zukunft durch Eure Hilfe für die nächsten Klausuren (und es werden noch viele kommen) gewappnet zu sein.


Meine Probleme bei diesem Gedicht & Welche Gedanken ich mir bereits gemacht habe:

Mit dem ersten Vers kann ich leider überhaupt nichts anfangen.
Ich könnte mir nur vorstellen, dass es sich um ein zerstrittenes Paar handelt, welches sich in einer Scheidung befindet und sich gegenseitig das Schlechteste will.


"solche Gegener gehen niemals einen Schritt zurück
und bleiben doch einander unnahbar bis in ihr Schweigen"

Vielleicht soll diese Passage darstellen, dass diese Gegner aufeinander angewiesen sind. Ich kann mir jedoch keinen reim draus machen, wie ein solches Paar aufeinander angewiesen sein soll.
Die Frage ist hier: Warum geht das Paar keinen schritt zurück und bleibt doch unnahbar? Weil sie sich niemals einander genähert haben?! Weil sie niemals Kompromisse eingegangen sind, oder es jetzt nur nicht tun?!
Diese These würde von einer Ehe ohne Liebe sprechen, aber warum sollte diese Ehe nun ein jähes Ende haben?


"in dem, was einmal Feuer war und Liebesglück,
ausglüht zu Asche"

Hier muss ich mich nun selbst widerlegen, wenn ich davon ausgegangen wäre, eine Pflichtehe hätte stattgefunden.
Die Liebe war einmal vorhanden und wurde nun zerstört.
Das Feuer ward gelöscht und das Paar ging auseinander. Doch warum?


Im folgenden Teil findet eine abänderung des Versmaßes statt (Sonett-form). Diese steht für einen raschen Wechsel von Gefühlen, der Thematik, etc. . In diesem Gedicht findet ein Thematikwechsel statt, den ich mir allerdings bei besten Willen nicht erkläre kann.


"Und wie auf Gesichtern von Toten
siehst du ihr letztes Erstaunen erkalten
Fliehende sind wir, die sich festhalten"

Auch dieser Vers birgt nur Fragen für mich in sich.
Was meint der Autor mit dem "letzten Erstaunen"? Ist es Erstaunen voreinander, oder vor sich selbst?
Die "Fliehenden, die sich festhalten" gibt es nicht (antithese (?) ). Was sollen also diese darstellen? Verstrickungen in Widersprüche? (so geht es mir im Moment auch..)


"Reisende durch leere Zimmer
Gleichgültig schluchzen die Geigen noch immer
Sterbende betteln um Dollarnoten"

Was soll dieses "Reisen durch leere Zimmer" bedeuten? Erwartet diese Reisende nichts mehr auf ihrem Weg? Wieso sind die Zimmer leer? Ist ihr Inhalt, ihre Fülle, für den Reisenden nicht einsehbar, oder sind sie leergeräumt?

In der 2. Zeile finden wir schon wieder eine Antithese, was jedoch soll diese bedeuten? Warum schluchzen die Geigen? Und warum tun sie es gleichgültig?

Für die 3. Zeile habe ich eine Theorie: Ich habe irgendwann im 8. Schuljahr mal die "Yuppies" im Politikunterricht durchgenommen. Die Zeit müsste identisch mit dem Erscheinungsjahr des Gedichtes (1983 - Die 80er waren DAS Jahr der Yuppies!) sein, wenn ich mich nicht irre.
Hat diese neue Form von Kommerz und Konsum etwas mit dem Gedicht zu tun?

Wie ihr schon sehen könnt habe ich fast gar keine Ahnung, was ich tun soll.
Es wäre wirklich nett, wenn ich von euch schnell hilfe in meiner Misere bekäme Augenzwinkern

Gute Nacht und einen guten Start in die Woche

- Markus
Markus
Gast





BeitragVerfasst am: 20. Feb 2006 00:35    Titel: Meine ersten Gehversuche Antworten mit Zitat

Guten Abend, ich bin's nochmal!

Ich habe soeben eine kurze Analyse ohne den Hauptteil verfasst, da sowohl schon recht spät ist, als auch, da ich die Intention des Gedichtes nicht vertstehe.
Bitte nehmt diesen Text nicht zu ernst, da ich wirklich total übermüdet bin und es mir deshalb fast nicht mehr möglich ist, mir äußerste Mühe bei allen Formulierungen zu geben.
Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis.



Gedichtinterpretation - Fliehende sind wir

Das Gedicht "Fliehende sind wir" von Wolf Wondratschek aus dessen Sammlung: "Die Einsamkeit der Ehemänner", erschienen im Jahre 1983, handelt von einem zerstrittenen Paar, dessen Liebe verschwunden ist und nun nur noch Kälte vorherrscht.

Das Gedicht liegt in einer festen Form, nämlich einer Sonett-Form vor.
Das Reimschema ändert sich stetig und beschreibt kein klar zu erkennendes Bild.

Das Gedicht unterliegt teilweise einer Formalisierung, welche jedoch an manchen Stellen des Textes abgeworfen wird (Vers 1 und 2, jeweils letzte Zeile)
Auffällig sind die oftmaligen Wiederholungen von Abwandlungen des Wortes "kalt" und Assoziierungen dieser Kälte mit Objekten.
"Leere Zimmer" oder die "Gesichter von Toten" sind Beispiele für diese Übertragung.
Vermutlich will der Autor durch diesen Sprachgebrauch die Einstellung des Lesers verändern und ihn an der Kälte, d.h. an den Emotionen und der Emotionslosigkeit der Thematik teilhaben lassen.

Das Gedicht unterliegt keinem klar erkennbaren Rhythmus und keinen sonstigen Strukturen, welche vermutlich die Emotionen in diesem Gedicht verstärken sollen.

Auffällige und oft benutzte Stilmittel sind Antithesen (V. 3 Z. 3: "Fliehende sind wir, die sich festhalten")

Die Silhaltung des Autors reicht über die Spanne von neutral bis emphatisch. Pathetisch fügt er den Leser in die Geschichte ein und lässt ihn eine emotionale Reise durchlaufen.
Anfangs wirkt der Autor jedoch mehr didaktisch auf den Leser ein.
Das Gedicht findet den Höhepunkt im letzten Vers, welcher gleichzeitig durch das gleichgültige Schluchzen der Geigen das Ende einleutet.

Durch diese Wendung von Didaktik in Pathetik wird der Leser aus der durch die Didaktik entstandene Klarheit gerissen und spürt nun die emotionale Tiefe des Gedichts.
Dieser Riss findet nach dem 2. Vers statt, nach welchem das Versmaß umschwingt.
Durch diesen Riss werden die durch die klare Didaktik entstandenen Erkenntnisse durch Emotionen sowohl widerlegt als auch unterstützt.

Der Zielpunkt des Gedichts ist das tief emotionale Ende im 4. Vers, welches durch gleichgültig schluchzende Geigen heraufbeschworen wird.
Diese Entwicklung von anfänglicher Sachlichkeit hin zum Höhepunkt findet durch das änderne Versmaß unterstützung.
Jedoch findet das Gedicht kein eindeutiges Ende, da alles Emotionale durch die Gleichgültigkeit der Geigen verfliegt und der Leser demnach zu seinem ganz persönlichen Schluss kommen muss, da diese Mehrdeutigkeit den Höhepunkt, und damit die Intention, unklar macht.



Wie ihr seht versuche ich verzweifelt noch um diese Uhrzeit zu einem Ergebnis zu kommen.
Für Hilfe bin ich jederzeit dankbar!

Gute Nacht euch da draussen Augenzwinkern
Gast






BeitragVerfasst am: 20. Feb 2006 22:52    Titel: Antworten mit Zitat

Bitte antwortet doch.

Ich verlange keine Wunder, sondern möchte einfach wissen, ob ich das so in der Art formulieren kann.
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