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Furcht und Elend des Dritten Reiches
 
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chacky



Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 06. Nov 2005 00:04    Titel: Furcht und Elend des Dritten Reiches Antworten mit Zitat

Hi,
ich glaube ich bin richtig hier und hoffe das mir viellecht geholfen werden kann, da ich mir nicht so sicher bin in deisem Themengebiet.

Also ich bin in der 10 Klasse und fangen leider erst jetzt mit dem "Dritten Reich" an, obwohl wir das schon in der 9. Klasse machen mussten, nach Rahmenplan.
Aber da wir Bilingual unterrichtet werden, naja Big Laugh

_________________________________________________________

Das ist hier eine Szene aus dem Buch „ Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht.

Die Kiste provoziert
---------
Gedicht vorab:
Sie kommen mit zinnernen Särgen
Worinnen sie verbergen
Was sie aus einem Menschen gemacht.
Er hat sich nicht ergeben
Er kämpfte für ein besseres Leben
In der großen Klassenschlacht.

---------
Essen, 1934. Arbeiterwohnung. Eine Frau mit zwei Kindern. Ein junger Arbeiter und seine Frau, die zu Besuch sind.
Die Frau weint. Man hört vom Treppenhaus her Tritte. Die Tür steht offen.


Die Frau Er hat doch nur gesagt, dass sie Hungerlöhne zahlen. Das ist doch wahr. Die Älteste hat es auf der Lunge, und wir können keine Milch kaufen. Sie können ihm doch nichts getan haben.

SA- Leute bringen eine Kiste herein und stellen sie auf den Boden.

SA- Mann Nun machen sie nur kein Theater. `ne Lungenentzündung kann jeder mal kriegen. Da sind die Papiere. Alles in bester Ordnung. Und nun machen Sie mal keine Dummheiten.

Die SA- Leute ab.

Ein Kind Mutter, ist da Vater drin?

Der Arbeiter ist zur Kiste gegangen Sie ist aus Zink.

Das Kind: Können wir nicht aufmachen?

Der Arbeiter rasend
Ja, das können wir! Wo hast du die Werkzeugkiste?
Er sucht nach Werkzeug. Seine junge Frau will ihn abhalten.

Die junge Frau: Mach nicht auf, Hans! Sie holen dich nur auch.

Der Arbeiter Ich will sehen, was sie mit ihm gemacht haben.
Die haben ja Furcht, dass man das sieht. Sonst brächten sie ihn nicht in Zink. Lass mich!

Die junge Frau: Ich lass dich nicht. Hast du sie nicht gehört?
Der Arbeiter: Vielleicht darf man ihn wenigstens noch sehen, wie?


Die Frau nimmt ihre Kinder bei der Hand und geht zu der Zinkkiste: Ich habe noch einen Bruder, den sie holen könnten, Hans. Und dich können sie auch holen. Die Kiste kann zubleiben, Wir müssen ihn nicht sehen. Wir werden ihn nicht vergessen.

Ende!

Nun sollen ich diese Szene analysieren und interpretieren.
[/i]
chacky



Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 06. Nov 2005 00:05    Titel: Ob das stimmt??? Antworten mit Zitat

Das habe ich jetzt herausgefunden, weiß aber nicht ob das richtig ist

Analyse der Sprache: Der Autor umschreibt Wörter
In dem Fall steht Zink für einen Sarg.
Zink= ein Teil für ein ganzes

Zum Inhalt: SA bringt den toten Vater der Familie in einem Zink Sarg, der fest
Verschlossen/ verschweißt wurde.
Man soll den Sarg nicht öffnen und sehen, dass die SA den Vater misshandelt hat.

Würde nun Hans, der Arbeiter diesen öffnen, würde er dieses verbreiten.
So wird der Menschheit klar, dass die SA ein Terror-Regime ausübt.

Was kann man noch schreiben oder sagen.

Hier noch ein paar Fragen, die ich leider nicht beantworten kann.

Hat der Satz mit den Hungerlöhnen und der Lungenentzündung eine besondere Bedeutung in dieser Szene?

Wieso übergab die SA überhaupt den Sarg der Familie?
Wie konnte die SA feststellen, dass dieser Sarg geöffnet wurde,
oder anders: Wurde die Kiste später von der SA wieder abgeholt?
Lindenblatt



Anmeldungsdatum: 30.10.2005
Beiträge: 160
Wohnort: Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 06. Nov 2005 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Dies hier ist die 14. Szene aus den 24 Szenen "Furcht und Elend des Dritten Reiches"

Sie hat den Titel "Die Kiste".

Gleich, als SA-Leute diese Zinkkiste bringen, mit der Ausrede "'ne Lungenentzündung...." - "Und nun machen Sie mal keine Dummheiten" ... wird erschreckend klar, dass hier ein getöteter, d.h.: ermordeter Widerstandskämpfer mit den einschüchternden Drohungen bei seiner Familie abgeliefert wird.

Ein Arbeiter will den Zustand der Leiche erkunden und feststellen, warum diese Zinkkiste den Leichnam aufnehmen musste und nicht ein einfacher Holzsarg für die blutigen Überreste genügte - und er würde sein Wissen verbreiten; aber die Frau aus Angst um ihre Kinder und den Bruder verzichtet darauf und bittet um Ruhe, Verschweigen - und will ihr unbehelligtes Weiterleben garantiert sehen. Aber sie wird nicht vergessen, was ihrem Mann angetan worden war.
*
Eine brutale, aber ziemlich "normale" Szene aus dem Ruhrgebiet, im Jahre 1934.
Die Widerstandsbewegungen der Arbeiter und Intellektueller von KPD oder der SPD oder ihren Absplitterungen sind bald durch Mord und Totschlag (oder Vertreibungen von öffentlich bekannten Führern und Politikern) und entsprechende Drohungen erstickt worden.
Ohen dass B.B. kleine Menschen diffamiert, schildert er ihre Not als Lebensgefahr, unter der fast alle Nicht-Nazis damals stehen, erst recht politische Gegner.

*
Die Szenenfolge erschien 1938; B.B. hatte fünf Jahre daran gearbeitet, die Geschehnisse im "Groß-Deutschen Reich" von 1933 an aufzuzeichnen, bis zur für Hitler so erfolgreichen "Volksbefragung" 1938.

_________________
Stultum deridet stultus nihil callidi cogitans.


Zuletzt bearbeitet von Lindenblatt am 15. Sep 2006 08:32, insgesamt einmal bearbeitet
chacky



Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 06. Nov 2005 14:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Lindenblatt,..

Ich bin dir wirklich dankbar, dass du mir geholfen hast; und dabei so „ausführlich“, hätte ich nicht gedacht.

Mir ist jetzt einiges klar geworden, wie es wirklich zu dieser Zeit aussah.
Außerdem wird es mir in Zukunft wahrscheinlich etwas leichter fallen, weitere Szenen aus diesem „epischen Theater“ zu interpretieren, da sich jede Szene im Allgemeinen ähnelt.
*
Zurück zur Szene:

Also aus deinem Beitrag würde ich das Wort im Gedicht „Klassenschlacht“ so interpretieren:

Grob gesagt: Es sind die verschiedenen Widerstandskämpfer aus den verschiedenen Parteien und Gruppen der Gesellschaft.



*

Ich habe den Zusammenhang mit den Hungerlöhnen leider noch nicht verstanden.
Die Frau sagt ja:“ Er hat doch nur gesagt, dass sie Hungerlöhne zahlen. Das ist doch wahr.
Die Älteste hat es auf der Lunge, und wir können keine Milch kaufen. Sie können ihm doch nichts getan haben.“

Und wer und was ist damit gemeint, „die Älteste hat es auf der Lunge“, „Sie können ihm doch nichts getan haben“.

Denn wenn sich dieser Satz auf den toten Vater bezieht, dann ist es mit der Lungenkrankheit doch keine Ausrede von der SA mehr, da sie von dieser Krankheit schon wusste, oder steht dieser Satz in einem ganz anderen Kontext.

*


Zitat: „Ein Arbeiter will den Zustand der Leiche erkunden und feststellen, warum diese Zinkkiste den Leichnam aufnehmen musste und nicht ein einfacher Holzsarg für die blutigen Überreste genügte - und er würde sein Wissen verbreiten;“

Aber der Arbeiter kann doch alles für sich behalten oder prüfen die SA- Leute den Sarg regelmäßig, ob dieser geöffnet wurde?

*


Und was wird in den Papieren gestanden haben, den die Familie bekommen hat?

„Ihr Mann ist an einer normalen Lungenentzündung gestorben“?



*


Noch mal ein großes Dankeschön.
Edit: All diese Informationen werde ich in eine Präsentation einbauen und vortragen.
Das ist eine gute Übung für den Mittleren Schulabschluss.

mfg chacky

Wink
Lindenblatt



Anmeldungsdatum: 30.10.2005
Beiträge: 160
Wohnort: Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 07. Nov 2005 08:41    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn der Arbeiter in seiner Wut und seinem Protest gegen die SA-Methoden den Sarg öffnet, die zerstümmelte Leiche des Ermordeten vorfindet (der garantiert nicht an einer Lungenentzündung verstorben ist; das würde jeder Arzt eines Krankenhauses bescheinigen...!), wird das öffentlich, es wird bekannt - das weiß die Frau; oder der Widerstand wird "hinterbracht", weil der Arbeiter angezeigt wird.

Solcher Terror, solche Hysterie, solche Verbrechen waren nicht erst seit 1933 bekannt, aber seitdem staatlich organisiert und meistens vertuscht - fünf Jahre Gewaltherrschaft -, das wollte B.B. in seinen Bildern um Leben und Tod für die ganze Welt aufdecken.
Im "Deutchen Reich" konnte solch ein Drama erst nach 1945 wieder aufgeführt werden.

_________________
Stultum deridet stultus nihil callidi cogitans.
spherical clot



Anmeldungsdatum: 14.09.2006
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 14. Sep 2006 19:32    Titel: Antworten mit Zitat

Also; ich habe das folgendermaßen verstanden:

Die Älteste (warscheinlich eins der Kinder in der Szene) hat eine Lungenentzündung. Aber die Familie hat zu wenig Geld um sie zu pflegen, also beschwert sich der Vater bei den Arbeitgebern und wird von der SA verhaftet und umgebracht. Der SA-Mann tut die Sache ab, indem er sagt, dass man sich nicht wegen einer Lungenentzündung gleich bei den Arbeitgebern beschweren muss ("'ne Lungenentzündung kann jeder mal kriegen") .... kurz gesagt: Das Leben ist ungerecht!
Sirius



Anmeldungsdatum: 29.04.2006
Beiträge: 180
Wohnort: Erlangen

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2006 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, nicht "das Leben" ist ungerecht, sondern die SA oder das Regime, für das sie steht, sind Verbrecher, die Menschen ermorden, den Mord nicht einmal richtig vertuschen (denn die Frau merkt ja, was dahinter steckt - sie Begründung von Lindenblatt!) und wissen, dass ihre Droh-Haltung ausreicht, den Mord zu ermöglichen und das Schweigen zu erpressen. Nicht "das Leben" ist Brechts Thema, sondern das Handeln der Menschen im politischen Umfeld.


Gruß
Sirius

_________________
"So tauml' ich von Begierde zu Genuss,
Und im Genuss verschmacht' ich nach
Begierde." (Wald und Höhle)
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