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gast322123123 Gast
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Verfasst am: 23. Apr 2010 14:50 Titel: der ungebetene gast |
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Hallo zusammen!
Ich kann mich in vielen Punkten anschließen ;-) Wobei ich jetzt auch in die Nummerierung nicht derart viel reininterpretiert habe, meiner Meinung nach gibt es dem Gedicht eine Struktur und einen klaren zeitlichen Ablauf. Wenn man ganz viel getrunken hat, dann kann man es auch am Ende als "kurz vor Zwölf" deuten ...
Die Klammer (einer aus der Gegend um Warschau dort) verbildlicht denke ich, ein Sprechen hinter vorgehaltener Hand. Jeder kennt das, es betritt jemand den Raum, der in dem Falle auch noch eine Vorgeschichte hat, über die man nicht gerne laut redet, weil es so schrecklich gewesen ist damals, und man tuschelt irgendwie mit dem Nebenmann und will unauffällig auf diese Person hinweisen.
Tiefer als ... ich kenne den genauen Wortlaut nicht mehr ... jedenfalls gab es dort ja die Verdopplung von tief und der der tiefe Ozean oder - was es war - steht ja auch ein wenig für Furcht.
Die Deutung der Intention haben denke ich meine Vorredner hier schon klar gemacht...
Was mich interessiert: Wie weit musste man bei Nummer zwei gehen? Strömungen... hermetische Lyrik, politische Lyrik, poetologische Lyrik, Naturlyrik, konkrete Poesie, Trümmerliteratur, Kahlschlagsliteratur, Reinigung der Sprache, Bewältigung, Eskapismus.... viel mehr fällt mir da jetzt nicht ein. Vielleicht noch bekannte Schreiberlinge... Enzensberger, Bachmann, Eich, Celan, Benn... Was würdet ihr sagen? |
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trboy Gast
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Verfasst am: 23. Apr 2010 16:52 Titel: |
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Hey !
Auch ich habe das Gedicht genommen. Ich hab auch eine Frage wie Habt ihr eigentlich die formalen und inhaltlichen Aufbau beschrieben?? Ich habe da geschrieben dass das Gedicht wie ein drama aufgebaut ist 11 Szenen und in Strophe 6 ist der Höhepunkt bis dahin baut sich dass alles auf und danach wieder ab!
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Merle Gast
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Verfasst am: 24. Apr 2010 16:12 Titel: |
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Also ich hab auch das Gedicht analysiert, aber hab es der trümmerlyrik zugeordnet. Die trümmerlyrik ist ja häufig gesellschaftskritisch, was ich daran festgemacht habe dass die imperative eher wie ein zwanghaftes höflichkeitsbetjalten als ehrlich gemeinte Fürsorge wirken, der Gast ungebeten ist, die Gesellschaft erst anfängt zu essen nachdem der Gast weg ist(unhöflich) und schlieslich die Gesellschaft nicht in der Lage ist mit ihrer schuld umzugehen (letzter Vers der letzten Strophe!).. Außerdem ist die trümmerlyrik immer eine vestandsaufnahme, also sie zeigt einen ist-Zustand. Die zahlen 1-11 haben meiner Meinung nach wie eine Aufzählung gewirkt, ähnlich wie Günter eich in seinem Gedicht "Inventur" alle seine Besitztümer aufzählt wird hier der mechanische Umgang mit den opfern der nachkriegszeit kritisiert. Die " Täter " können nicht mit den "opfern" umgehen und ihre schul eingestehen |
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mauri Gast
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Verfasst am: 24. Apr 2010 19:35 Titel: |
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| Merle hat Folgendes geschrieben: | | Also ich hab auch das Gedicht analysiert, aber hab es der trümmerlyrik zugeordnet. |
Trümmerlyrik passt ja wohl gar nicht. In den 60er-Jahren gab es keine Trümmerlyrik mehr, diese entstand direkt nach dem Krieg bis in die 50er hinein. Die Menschen der Trümmerlyrik hatten nichts zu essen, es gibt da auch keine Gesellschaft, nur den isolierten und herumirrenden Einzelnen. Aber hier im Gedicht hat man den Eindruck, es wird ein Festessen im großen Saal gefeiert. Da wird aufgetischt und es klingt nach Bedienung ("zu Diensten?").
Charakteristisch für die Trümmerlyrik ist die Frage nach der Schuld am Krieg und am Holocaust. Insofern könnte man das Gedicht vielleicht als späten Nachläufer einordnen.
Die merkwürdige Stropheneinteilung hat mich an eine Montagetechnik erinnert, wie bei Bachmann oder Brecht. |
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mauri Gast
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Verfasst am: 24. Apr 2010 19:48 Titel: |
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| trboy hat Folgendes geschrieben: | | Ich habe da geschrieben dass das Gedicht wie ein drama aufgebaut ist 11 Szenen und in Strophe 6 ist der Höhepunkt bis dahin baut sich dass alles auf und danach wieder ab! |
Ahh, und woher hast du, dass der Aufbau eines Dramas 11 Szenen betragen soll?
Soviel ich weiß, ist im Drama die Anzahl der Szenen beliebig, im offenen Drama sowieso.
Viel wichtiger fand ich die V-Effekte. Die Einzeiler geben andauernd neue Impulse und lassen den Leser immer wieder über die Strophen nachdenken. |
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trboy Gast
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Verfasst am: 25. Apr 2010 21:22 Titel: |
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schuldigung ich hab mich falsch ausgedrückt. ich meinte nicht dass das drama 11 szenen hat ich meinte halt das gedicht ist wie ein drama aufgebaut zb 1. akt und dieser hat dann halt nach dem gedicht 11 szenen und in dem drama war das ja so dass das das drama im 3. akt den höhepunkt hat und im gedicht wäre dieser dann halt 6. strophe. so hab ich das geschrieben was habt ihr denn dazu geschrieben??? |
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Angi
Anmeldungsdatum: 13.05.2010 Beiträge: 2
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Verfasst am: 13. Mai 2010 21:20 Titel: |
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huhu
ich hab auch das gedicht in meiner klausur genommen und total auffällig fand ich jezz das der stuhl den rahmen des gedichtes gebildet hat... zunächst wird er rangeschoben und dann wieder weggestellt
den gast habe ich knallhart als juden bezeichnet, das passt dann auch wieder mit dem stuhl zusammen, zunächst wird er rangestellt, platzt für den gast gemacht (nach 1. weltkrieg gastarbeiter sollen kommen) und nach dem fortgang (verbrennung im kz) wird der stuhl wieder weggestellt (deutschland ohne ausländer)... ich hab auch geschrieben dass das gedicht die deutsche geschichte seit dem 1. weltkrieg bis zum ende des 2. wiederspiegelt.
ebenso kann man bezüglich der erscheinungszeit sagen dass das gedicht zum ende der nachkriegszeit verfasst wurde, da der autor in der ddr lebte dauerte die verarbeitung länger, da dort ja auch die komplette andere entwicklung nach dem krieg stagnierte (das hatten wir vorher als vgl ost west im unterricht) |
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Angi
Anmeldungsdatum: 13.05.2010 Beiträge: 2
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Verfasst am: 13. Mai 2010 21:26 Titel: |
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ps: das geschlossene drama hat 5 akte mit der
1. Exposition
2. schürzung des knotens
3. Klimax
4. retardierendes moment
5. totale katastrophe
da es sich um die geschlossenen form handelt beinhaltet es mimesis und das führt zur katharsis (z.b.don carlos)
das drama der offenen form bricht damit, hat meist nur 3 akte und die menschen versuchen aus dem bisher gelebten auszubrechen (z.b. dantons tod) |
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Noxare Gast
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Verfasst am: 15. Mai 2010 11:17 Titel: |
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"Die Füße mit Lappen umwunden,
Und die Augen haben gefehlt.
An der Kehle klaffende Wunden
Haben stumm seine Geschichte erzählt. "
hallo?!?! Hat niemand geschrieben, dass es hier um einen imaginären Gast handeln muss?!?!
Es kann ja wohl nicht sein, dass jemand einfach so durch die Tür kommt und sich and den Tisch setzt, der keine Augen mehr hat und dessen Kehle irgendwie aufgeschlitzt ist.
Also ich habe geschrieben, dass diese Person ein Abbild der Erinnerungen der am Tisch sitzenden Leute an den Holocaust ist, also nur eine Fantasievorstellung!!!
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Titel auch als Chiffre lesen. Man kann nämlich "der ungebetene Gast" in "die ungebetene Erinnerung" bzw. "die unerwünschte Erinnerung" übersetzen.
Der Autor kritisiert halt, dass die Leute, die am Tisch sitzen und offensichtlich die Nachkriegsgeneration repräsentieren, die Erinnerung an den Holocaoust verdrängen wollen, statt miteinander darüber zu reden und eine Art "Vergangenheitsbewältigung" vorzunehmen. Das sieht man daran, dass die Leute - wie auch schon einige andere hier im Forum richtig festgestellt haben - diese "Erinnerung" ablehnend und abweisend behandeln. |
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mauri Gast
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Verfasst am: 15. Mai 2010 15:16 Titel: |
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| Noxare hat Folgendes geschrieben: | | "hallo?!?! Hat niemand geschrieben, dass es hier um einen imaginären Gast handeln muss?!?! |
Natürlich ist Erinnerung auf der einen Seite immer nur imaginär, weil sie Ermordeten tot sind und das Geschehene Vergangenheit ist.
Trotzdem ist Wiedergutmachung keine Fantasievorstellung, sondern eine reale Kritik am Umgang mit den Überlebenden und Opfern. Der "ungebetene Gast" steht auch für die Frage, wie mit den Juden jetzt umgegangen werden soll und wird.
Es ist ja bekannt, dass die DDR immer eine palästinafeindliche Haltung einnahm. Überlebenden Juden wurden keine Entschädigungen zugestanden. In den offiziellen Gedenkfeiern wurden mehr die Helden des Widerstandes geehrt, Juden nicht. |
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Noxare Gast
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Verfasst am: 15. Mai 2010 15:50 Titel: |
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nein nein, du hast mich falsch verstanden. Ich wollte die Kritik, vergangenheitsbewältigung, widergutmachung, etc. mit dem Begriff Fantasievorstellung nicht abwerten oder so.
Klar weiß ich, dass es ne reale Kritik und so ist, hatte ich auch im Abi so alles geschrieben, ich wollte nur verdeutlichen, dass es in dem Gedicht zumindest keine real existierende Person ist.
Nur würde bestimmt nicht gut ankommen bei den Lehrern, wenn man davon ausgeht, dass es eben eine richtige Person wäre und wenn man die ganze Zeit in der Analyse auch so davon spricht. |
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