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Trubel um G. Grass
 
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Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 14. Apr 2012 14:06    Titel: Trubel um G. Grass Antworten mit Zitat

Hallo, sozusagen aus aktuellem Anlass, eröffne ich mal ein Off-Topic, das im besten Fall viel Diskussionsstoff liefert:

Günter Grass hat mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" für viel Aufsehen gesorgt und geklagt, dass man sich in den meisten Fällen gar nicht auf den Inhalts des Gedichts einlasse; er beklagt eine gewisse "Gleichschaltung" der Presse.

Hier ein Link zu dem Gedicht:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-zum-konflikt-zwischen-israel-und-iran-was-gesagt-werden-muss-1.1325809


Nun mag man sich darüber streiten, inwiefern diese Wortwahl geschickt ist und was es mit dem Inhalt des Gedichts eigentlich auf sich hat. Fest steht jedoch, dass ein politisches Gedicht, ganz traditionell in einer Zeitung veröffentlicht (und das in Zeiten von Facebook und Twitter), eine immense Wirkungskraft bewiesen hat und zeigt, wie stark Literatur und Poesie auch heute noch sein können.


Was haltet Ihr inhaltlich von dem Gedicht? Wie bewertet Ihr die Reaktionen auf das Gedicht? Hängt der ganze Trubel damit zusammen, dass Günter Grass der Verfasser ist - oder hätte das Gedicht die gleiche Wirkung gehabt, wenn es von einem weniger namhaften Dichter verfasst worden wäre?

(Dies sind nur einige Fragen, die sich hier anbieten.)



Ich würde mich über eine rege Diskussion freuen, in der es auch (aber natürlich nicht zwangsläufig nur) inhaltlich um das Gedicht geht.
Sherlock Holmes



Anmeldungsdatum: 30.04.2012
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 09:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

ich finde diese ganze Sache um Grass sehr überreagiert. Was ich auch nicht verstehe ist wieso Israel so eine Kindergarten-Nummer abzieht.

Schließlich, ist es ihm zu überlassen, wenn er genau so über Isreal denkt. Dass ist das halt dann seine Meinung und man kann den auch nicht seine Meinung verbieten.

Mit dem Gedicht kann ich nichts anfangen und ich denke mal er hat da nur die Wahrheit geschrieben.
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 11:43    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe da auch die Notwendigkeit zwei Dinge zu unterscheiden. Auf der einen Seite steht das Gedicht selbst, das auf ganz und gar "legaler" Weise eine Meinung kundtut, über die man sich - wie das immer der Fall ist - streiten kann. Auf der anderen Seite stehen die Reaktionen auf das Gedicht, die es im Grunde erst zu so einer "Staatsangelegenheit" gemacht haben. Ich glaube, dass in den Medien diese zwei Seiten durcheinander geraten sind und dass Grass dies vielleicht meint, wenn er sagt, man lasse sich gar nicht ein auf das Gedicht ein und die Presse sei "gleichgeschaltet" (eine Wortwahl, die wirklich ungünstig ist, das muss man wohl zugeben).

Ich finde die Aussage übrigens ganz richtig, dass sich viele Medien auf das Gedicht gar nicht eingelassen haben und zwar in dem Sinne, dass es sich eben um ein Gedicht handelt. Es wird sich auch meines Erachtens auf den Text eben als Gedicht nicht eingelassen. Aufgrund der politischen Vorgeschichte von Grass wird das Gedicht unumschränkt als Eins-zu-Eins-Aussage des Verfassers gelesen, statt es als literarisches Werk zu sehen. Schon in der Schule lernt man, dass man die Aussagen eines literarischen Werks nicht unüberlegt gleichsetzen darf mit den Meinungen des Verfassers; hier wird aber genau dies getan und in diesem Sinne lässt man sich wirklich auf das Gedicht nicht ein. Ich finde das einfach zu einfach und zu einseitig! Der Text ist im Feuilleton erschienen und nicht im Politikteil! Es ist hier ganz klar zu unterscheiden zwischen einem (politischen) Gedicht und einer politischen Meinungsäußerung, denn in dem einen Fall muss man (so meine Meinung) vor allem künstlerische Mittel bewerten (Pointierung, Vereinfachung usw.), auf der anderen Seite steht eine politische/ gesellschaftliche Bewertung an. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

In diesem Sinne verstehe ich Grass' Aussagen über die Presse.

Niemand ist je auf die Idee gekommen, bestimmte Figuren aus Grass' großen Prosawerken irgendwie übermäßig politisch zu bewerten, jedenfalls nicht in dem Grad, dass Einreiseverbote oder Ähnliches die Folge gewesen wären. Wieso lässt man dem Gedicht "Was gesagt werden muss" weniger künstlerischen Wert zukommen?


Ich nehme also eine eher Grass-freundliche Haltung ein, weil ich erstens viel von Grass gelesen habe, seine Werke sehr schätze und hochachte und es im Kontext dieser wohlgestalteten, intelligenten und geschichtliche Fakten sehr wohl abwägenden Werke fast selbst als Beleidigung empfinde, wenn man ihm unterstellt, er wisse gar nicht (mehr), was er da tue und zweitens, weil - wie gesagt - das Gedicht nicht als künstlerisches Werk gewürdigt wird.
Sherlock Holmes



Anmeldungsdatum: 30.04.2012
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 12:43    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz deiner Meinung.

Besonders die haltung von Grass finde ich gut, denn er hat ja wirklich nur seine Meinung bzw seine Ausführen aufgeschrieben.

So sind halt die Medien, machen alles schlimmer, als es eigentlich ist. Und was ich überhaupt nicht verstehe: Gedichte sind literarische Texte, die man interpretiert und das heißt, dass die Meinung so vielfältig wie möglich ausfallen kann. Und wenn Grass diese Meinung teilt, dann soll man den in Ruhe lassen. Man muss den nicht gleich alles verbieten und am Pranger nehmen.

Was ich auch noch vermute ist: Dass Israel immer noch sehr betroffen von damals ist (natürlich zurecht) und dass sie eben noch sehr Traumatisiert bzw anfällig für so welche Ideologien sind... Ich verstehe natürlich auch die Reaktion von Israels-Regierung, aber dass sie gleich so handeln müssen und das Gedicht und noch die Einreise von ihm nach Israel verbieten, finde ich höchst übertrieben.
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 13:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe das auch so: Die Reaktion Israels erreicht genau das Gegenteilt von dem, was sie vermutlich erreichen sollte: Sie sensibilisiert nicht für das Thema, das Grass anschneidet, sie tabuisiert es.

Aus der Sichtweise Israels wäre es dann wirksamer gewesen, das Gedicht einfach zu ignorieren und es damit indirekt als nichtig zu erklären. So zeigt Israel nur seine Verletzbarkeit.
Sherlock Holmes



Anmeldungsdatum: 30.04.2012
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 13:32    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Sie sensibilisiert nicht für das Thema, das Grass anschneidet, sie tabuisiert es.


Ich finde, genau das ist ja das gefährliche an diesem Land. Ich verstehe ja, dass sie diese Ausführungen nicht gut tun, aber sie zu verbieten... ? Nein, da hast du recht, sie haben sich selbst als Verletzbar gezeigt.

Zitat:
So zeigt Israel nur seine Verletzbarkeit.


Und Macht hast du vergessen....
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ich denke die Denkweise ist in etwa so:

"Wir verbieten dem Verfasser dieses kritischen Gedichts einfach, in unser Land einzureisen, damit sieht die Welt unsere Macht und in Zukunft wird es solche Kritik dann nicht mehr geben, weil jeder weiß, dass sie sowieso verboten wird."

Dass die angebliche Macht, die hier präsentiert wird, in Wirklichkeit so etwas wie ein Beweis der Unfähigkeit zur Diskussion ist, scheint den Verantwortlichen nicht klar gewesen zu sein. Diese Reaktion hat eine Verhärtung der Fronten herbeigeführt und in dem Sinne ist sie auch vorläufig erfolgreich gewesen: Die Kritik ist abgeprallt und für eine Weile ist sie wieder vom Tisch, jedenfalls in der breiten Öffentlichkeit. Eine Lösung des Problems war diese dumpfe Machtdemonstration natürlich aber nicht, nur ein Verschieben auf später.


Hier wäre doch auch zum Beispiel ein interessanter Ansatzpunkt (unter vielen) für eine literarische Diskussion über Grass' Gedicht: Das Gedicht hat, gerade weil es provokativ-einseitig formuliert ist, den Machtapparat freigelegt; ein weniger scharfes Gedicht hätte das vermutlich nicht geschafft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Grass sich darüber bewusst war/ ist und deswegen verstehe ich nicht, wieso man das Gedicht nicht auch als literarisches Werk, sozusagen als Ausdruck der Möglichkeiten von Literatur, anerkennt, also als ein Werk, das eine bewusst problematische/ provokante Perspektive einnimmt.

In diesem Sinne verstehe ich auch den Titel "Was gesagt werden muss". Um die Problematik im Verhalten Israels gegen Kritiker darzulegen, muss eine direkte Kritik (die nicht unbedingt sehr abwägend ist) geäußert werden. Für mich ist die Einfachheit/Einseitigkeit in der Argumentation von Grass bewusst eingesetzt, sozusagen eine Art Stilmittel.


Hätte denn ein Gedicht mit dem Titel "Was gesagt werden kann" eine solche erstaunliche Wirkung gehabt? Nein, dann hätte man gesagt: "Okay, man kann so kritisieren, muss man aber nicht." Der Titel, den Grass gewählt hat, ist ja aber gerade so provokant, weil er einen Absolutheitsanspruch ausdrückt (im Sinne von: ALLE denken so, nur ein Mensch muss es jetzt endlich ausdrücken). Natürlich denken NICHT alle Menschen so, aber als Stilmittel ist dieser Titel äußerst wirkungsvoll.

Wieso beachtet man solche möglichen Interpretationsansätze in der Diskussion nicht? Mir ist das völlig schleierhaft.
Sherlock Holmes



Anmeldungsdatum: 30.04.2012
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 15:54    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wieso beachtet man solche möglichen Interpretationsansätze in der Diskussion nicht? Mir ist das völlig schleierhaft.


Mir auch. Letzterzeit kommen kaum noch Nachrichten von ihm, weißt du genaueres? Ich hab nur gehört, dass er sein Gedicht umschreiben möchte etc.
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 16:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe in letzter Zeit auch gar nichts mehr gehört.

Dass er sein Gedicht umschreiben möchte, ist mir auch neu. Ich kann es mir auch gar nicht vorstellen, dass er das tut. Ich hoffe sogar, er tut es nicht.
Sherlock Holmes



Anmeldungsdatum: 30.04.2012
Beiträge: 83

BeitragVerfasst am: 30. Apr 2012 16:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hoffe ich auch.

So ist halt Demokratie! Andere Länder verfolgen dich bis zu einem Land, wo sie eigentlich die Finger weglassen sollen.
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