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Don Carlos - Infant von Spanien
 
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Mermaid
Gast





BeitragVerfasst am: 31. Dez 2006 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

Danke euch beiden!
Mermaid
Gast





BeitragVerfasst am: 01. Jan 2007 11:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Habe nun noch eine weitere Frage: Wie kann man das Prinzip einer Katharsis auf Don Carlos anwenden? Versteht Schiller unter der Katharsis dasselbe, wie auch Lessing(Furcht und Mitleid)?

Könnte dies mit Schillers Rede zur Schaubühne als einer moralischen Anstalt zusammenhängen? Die Schaubühne soll dem Zuschauer quasi durch Schauspiel das vermitteln und vorhalten, was sich keiner auszusprechen traut. Könnte mit der Katharsis gemeint sein, dass sich der Zuschauer in die Charaktere auf der Schaubühne einfühlen soll, entweder mit ihnen leidet oder Furcht vor ihnen empfindet und sich somit von eigenen Leidenschaften reinigt?

Aber ist die Katharsis nun der gewünschte Effekt, um durch Furcht und Mitleid selbst geläutert zu werden oder um zu erkennen, dass in der Gesellschaft was nicht stimmt?
Barium
Gast





BeitragVerfasst am: 01. Jan 2007 17:28    Titel: Antworten mit Zitat

Mermaid hat Folgendes geschrieben:
Versteht Schiller unter der Katharsis dasselbe, wie auch Lessing(Furcht und Mitleid)?


Ja, weil mit dem Begriff "klassisches Drama" immer das ganze "Aristotelespaket" gemeint ist, das immer eine Katharsis enthält. Es ist nicht veränderbar - ansonsten hieße es auch nicht mehr klassisches Drama, es wäre dann eine neue Art (wie z.B. Brechts episches Theater).

Mermaid hat Folgendes geschrieben:
Könnte dies mit Schillers Rede zur Schaubühne als einer moralischen Anstalt zusammenhängen? Die Schaubühne soll dem Zuschauer quasi durch Schauspiel das vermitteln und vorhalten, was sich keiner auszusprechen traut.


Genau, denn so dachte sich Lessing auch seinen Nathan - nämlich als Antwort auf den Fragmentenstreit, indem er selbst nicht so wie Nathan hätte handeln dürfen, ohne bestraft zu werden.

Mermaid hat Folgendes geschrieben:
Könnte mit der Katharsis gemeint sein, dass sich der Zuschauer in die Charaktere auf der Schaubühne einfühlen soll, entweder mit ihnen leidet oder Furcht vor ihnen empfindet und sich somit von eigenen Leidenschaften reinigt?


Er soll vom Leiden anderer lernen und sich schützen, sodass er selbst, tritt ein solcher Fall wie der behandelte bei ihm ein, nicht tragisch endet wie der Held der Tragödie.

Mermaid hat Folgendes geschrieben:

Aber ist die Katharsis nun der gewünschte Effekt, um durch Furcht und Mitleid selbst geläutert zu werden oder um zu erkennen, dass in der Gesellschaft was nicht stimmt?


Durch die Katharsis soll durch einen "passiven Einflus" eine "aktive Veränderung" stattfinden, indem man sich als Zuschauer des Problems bewusst wird und sich wappnet, sich schützt, um nicht wie der tragische Held zu enden.
Mermaid
Gast





BeitragVerfasst am: 02. Jan 2007 11:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Danke für deine Antwort! Habe allerdings in wikipedia unter Katharsis folgendes gefunden:

Ausgleich statt Reinigung:
Goethe (18. Jahrhundert) bezieht die Katharsis nicht mehr auf den Zuschauer, sondern auf die Personen des Stückes und sieht in ihr ein Ausgleichen der Leidenschaften. Im Sinne der Harmonie und Humanität wird im Sinne der Ideale der Klassik eine Verbindbarkeit von „Pflicht“ und „Neigung“ (Vernunft und Gefühl) angestrebt, die keine Menschenopfer kostet (bspw. Iphigenie auf Tauris).

Kommt das von Zeit und Idealen nicht Schiller gleich? Dann hat auch Schiller die Katharsis nicht mehr als Läuterung empfunden? Denn nun werden die Akteure mit der Katharsis in Verbindung gebracht?


Ansonsten habe ich hier mal was zur Schaubühne und Katharsis geschrieben:

Laut Schiller ist die Schaubühne eine moralische und ästhetische Anstalt und Schule praktischer Weisheit. Sie ist das Instrument der Aufklärung. Das Theater übt mehr moralische Wirkung auf die Bevölkerung aus, wirkt tiefer als Gesetze und Philosophie, weil sichtbare Darstellungen mächtiger und somit dauerhafter wirken als „tote Buchstaben“ und kalte Erzählung. Der sittliche Einfluss der Bühne erzieht und belehrt den Menschen, indem ihm menschliche Tugenden aber auch Laster vorgeführt werden. Die Schaubühne soll, durch Schauspiel vermittelt, Zuschauern einen Spiegel der Gesellschaft vorhalten und somit auf den Verlust von Werten wie Gerechtigkeit, Toleranz, Freiheit oder auf Unterdrückung und Despotismus in eben dieser Gesellschaft aufmerksam machen. Alles in allem setzt es sich die Schaubühne zum Ziel die Gesellschaft und ihre Handlungen moralisch zu bewerten und das auszudrücken, was sich keiner auszusprechen traut (sie richtet). Dabei ist sie durchaus geschützt: Denn durch die von Schiller geforderte Freiheit der Idealisierung, hat der Dichter die Möglichkeit Handlung und Personen zu idealisieren und zu überhöhen, nach seinen Zwecken zu verändern. Somit kann eine fiktive Geschichte erzählt werden (poetische Wahrheit).

In Bezug darauf hat die Tragödie laut Schiller den Zweck zu rühren und „durch Rührung zu ergötzen“. Der Zuschauer soll sich in die Akteure einfühlen, mit diesen Furcht und/oder Mitleid haben und erleben, dass ihm Ähnliches widerfahren könnte. Durch eben dieses Einfühlen und Identifizieren mit den Figuren, erlebt der Zuschauer eine Katharsis und reinigt sich von eigenen Leidenschaften. Er wird geläutert.
Kurz: Das Drama soll durch Rührung zur moralischen Besserung beitragen.

Wie Schiller sagte:
„Die Schaubühne führt uns eine mannigfaltige Scene menschlicher Leiden vor. Sie zieht uns künstlich in fremde Bedrängnisse und belohnt uns das augenblickliche Leiden mit wollüstigen Thränen und einem herrlichen Zuwachs an Muth und Erfahrung.“


Ist das richtig?


Gruss,
Mermaid
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