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Der Sandmann
 
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bestimmt



Anmeldungsdatum: 23.01.2011
Beiträge: 25

BeitragVerfasst am: 03. Sep 2011 15:13    Titel: Der Sandmann Antworten mit Zitat

Huhu

Wir behandeln gerade das Buch "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann.

Eine grundsätzliche Frage: Meine Lehrerin meint zu Beginn der Strory , sprich der erste Brief "Nathanael an Lothar" , dass Nathanael die Begegnung mit dem Sandmann nur geträumt hat , bis zu dem Tag , als der Sandmann tatsächlich zu Besuch war und sein Vater starb.


Aber ich meine , dass das so nicht stimmt. Die Begegnung vom Sandmann waren kein Träume! Als eines Tages Nathanael vom Sandmann erwischt wurde , wurde er ohnmächtig. Und ein Jahr später als der Sandmann wieder kam , starb Nathanaels Vater.

... "So zischte und lispelte Coppelius; aber alles um mich her wurde schwarz und finster, ein jäher Krampf durchzuckte Nerv und Gebein - ich fühlte nichts mehr. Ein sanfter warmer Hauch glitt über mein Gesicht, ich erwachte wie aus dem Todesschlaf, die Mutter hatte sich über mich hingebeugt." (S.10)

Lehrerin behauptet: das was er gerade erlebt hat, war ein Traum und er erwachte aus seinem "Schlaf"

ich behaupte: das war schon alles echt (eventuell mit ein paar Wahnvorstellungen) , Nathanael wird vom Sandmann erwischt , er wird ohnmächtig --> daraus erwachte er.
Ich meine , so stehts überall auch im Internet , ich habe nirgends gelesen , das vorher alles nur ein Traum war , die dann später zur Realität wurden.

Also meine Frage an euch , die die Geschichte kennen und gelesen haben , hat Nathanael die Begegnungen mit dem Sandmann alles nur geträumt , bis zu dem einem Tag , als er wirklich kam?


Ich bin auf die Auflösung gespannt.

Hochachtungsvolle Grüße
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 03. Sep 2011 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Zunächst: Ich kann Dir Deine Frage (momentan) nicht eindeutig beantworten und die Frage ist, ob das überhaupt jemand kann: Literatur ist auch Deuten und Auslegen.

Ich zitiere kurz aus dem Nachwort der Reclam-Ausgabe 230:

Zitat:

[...] dass die Zahl der Deutungen in den letzten Jahren ein derartiges Ausmaß erreicht hat, dass die Interpretation des Sandmanns wie eine literaturwissenschaftliche Spezialdisziplin anmutet, an der Vertreter aller methodischen Richtungen teilhaben. [...]


Anders ausgedrückt: Über Interpretationen lässt sich streiten.

Vermutlich ist diese Antwort für Dich nicht so befriedigend.
Wenn Deine Version konsistenter ist und Du sie mit Argumenten vertreten kannst, so ist das völlig in Ordnung. Deine Lehrerin kann sich natürlich täuschen; wahrscheinlich legt sie aber einfach ihr eigenes Verständnis zu Grunde.

Dies nur mal vorläufig. Ich werde mir das Büchlein nochmal durchlesen und dann evtl. mehr dazu schreiben. Ich kenne es zwar, es ist mir aber nicht mehr präsent genug, um jetzt selbst ein fundiertes Urteil abzugeben.

Bis dahin!
Xabotis



Anmeldungsdatum: 29.12.2010
Beiträge: 848

BeitragVerfasst am: 03. Sep 2011 18:48    Titel: Re: Der Sandmann Antworten mit Zitat

Hallo bestimmt,

deine Frage lässt sich nicht beantworten. Ganz sicher sagen lässt sich nur, dass deine Lehrerin Unrecht hat, wenn sie sagt, es kann nur ein Traum gewesen sein, denn ebenso kann es auch real gewesen sein, beide Theorien sind absolut gleichberechtigt und genau darin liegt ja der Punkt, wie wirklich ist die Wirklichkeit. Das ist das Motto, was ist war und was Interpretation, die Intention, über Wahrheit und Interpretation nachzudenken liegt hierin verborgen, die Absicht, den Menschen an seiner von ihm unfehlbar interpretierten Wahrnehmung zweifeln zu lassen.

Wink

_________________
There is nothing, neither good nor evil, but human thinking makes it so. (W. Shakespeare)
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 03. Sep 2011 19:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ich möchte nochmal auf das oben genannte Nachwort in der Reclam-Ausgabe verweise, dort wird Deine Frage ziemlich genau dahingehend beantwortet, wie Xabotis und ich das schon angedeutet haben:

Ich zitiere:

Zitat:
Nachwort der Reclam-Ausgabe 230
[...] verlangt zu entscheiden, ob ein Ereignis sich in der Wirklichkeit der Erzählung oder in der Vorstellung einer Erzählfigur vorgetragen hat. Der Unentschiedenheit hierüber leistet der Text insofern Vorschub, als er zwei gegensätzliche Versionen zu seinem Verständnis anbietet. [...]
bestimmt



Anmeldungsdatum: 23.01.2011
Beiträge: 25

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2011 02:11    Titel: Antworten mit Zitat

Im Lektüreschlüssel zu der Sandmann von Reclam steht folgendes:
"Dieser Coppelius habe den Vater - zum Unwillen der Familie - abends häufiger besucht, um mit ihm geheimnisvolle Laborversuche durchzuführen. Beide Männer habe er mit Grausen bei einem ihrer >>teuflischen<< Experimente beobachtet, sei aber von Coppelius entdeckt und von ihm grausam misshandelt worden. Dann sei er in Ohnmacht und in ein heftiges Fieber gefallen, von dem er sich aber kurze Zeit später wieder erholt habe. Ein Jahr nach diesem schockierenden Vorfall sei Coppelius nochmals erschienen, ..."


Im Text kommt Todesschlaf vor. Nathanael erwacht aus seinem Todesschlaf (aus seiner Ohnmacht). Aber meine Lehrerin denkt sich, Todesschlaf = Traumschlaf.

"So zischte und lispelte Coppelius; aber alles um mich her wurde schwarz und ich fühlte nichts mehr. Ein sanfter warmer Hauch glitt über mein Gesicht, ich erwachte wie aus dem Todesschlaf, die Mutter hatte sich über mich hingebeugt."

Für sie ist es inhaltlich ein Traum , da führt kein Weg vorbei. Aber sie ist die einzige die davon ausgeht, denn im Lektüreschlüssel wird in der Inhaltsangabe von Ohnmacht gesprochen. Auch in anderen Quellen ist die Rede davon , wie er sein Bewusstsein verloren hat...
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2011 11:21    Titel: Antworten mit Zitat

Entschuldige, wenn ich das so sage:

Das musst Du mit Deiner Lehrerin klären, nicht mit uns.

Wir können nur darauf hinweisen, dass es zahlreiche Interpretationswege geben kann und welchen Du plausibel findest, ist Deine Entscheidung. Auch Deine Lehrerin hat sich anscheinend (und bestimmt nicht ohne jeden Grund) für einen Weg entschieden.

Da musst Du sie befragen.
Xabotis



Anmeldungsdatum: 29.12.2010
Beiträge: 848

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2011 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Zumal die Frage Traum oder Ohnmacht nicht die eigentliche Interpretation des Textes sein soll, sondern die Wahrhaftigkeit der Aussage. War es real oder nicht? Was bedeutet diesde Frage für den Leser.

Wink

_________________
There is nothing, neither good nor evil, but human thinking makes it so. (W. Shakespeare)
bestimmt



Anmeldungsdatum: 23.01.2011
Beiträge: 25

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2011 14:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich meinte zu ihr auch , dass ich eher glaube , dass es kein Traum war , wegen dies und das, sie antwortete und ich kann mich nur noch an das ende ihres Satzes erinnern: "Gibt es Stellen im Text die darauf hindeuten?!
Diese Frage könnte ich auch an sie stellen ;-)

Ich finde es ist eindeutig geworden, dass sie den Fehler macht , dass es nur ein Traum gewesen sein kann!


Grüße
Gast11022013
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2011 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Es spricht wohl Einiges dafür, dass es Deine Lehrerin evtl. zu einseitig sieht. Konfrontiere sie nochmal gezielt mit Deinen Argumenten. Du kannst Dich ja darauf vorbereiten, indem Du ihr bestimmte Textstellen aus dem Primärtext, aber auch Stellen aus den von Dir genannten Sekundärtexten zeigst.

Es wäre interessant zu erfahren, wie sie ihre Sichtweise "verteidigt". Vielleicht lässt sie sich auch überzeugen!

Versteif Dich aber nich so sehr darauf, wer jetzt Recht hat.
Diese Frage ist sicherlich nicht unentscheidend, damit man den Text korrekt versteht, aber sie hindert nicht daran, die Grundintentionen des Textes gemeinsam zu diskutieren, egal, ob man nun dieses oder jenes Detail so oder so versteht und interpretiert.

So ein Werk lebt doch gerade von der Vielseitigkeit der Auslegung!
Nutze das lieber produktiv, indem Du die Diskussion suchst.

Wink
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