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Ernst Klein- Gedichte
 
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Liane
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Dez 2005 18:50    Titel: Ernst Klein- Gedichte Antworten mit Zitat

hi,

wir haben in deutsch gerade ein gedicht von ernst klein, da sollen wir uns aufschreiben was der dichter damit aussagen möchte.

hätt ich
die gewaltige faust
von joe louis
fürwahr ich würd
mir
einen
winzig
kleinen
colibri
halten.

meine aussage dazu wäre: das ein boxer sich zu hause einen colibri im käfig halten möchte und dass ein boxer auch gefühle hat.
dies ist ein wunsch!

habe ich
die gewaltige faust
von joe louis
fürwahr dann werde ich
mir
einen
winzig
kleinen
coilibri
halten.

meine aussage dazu wäre: wenn er die gewaltige faust von einem boxer hat, dass er sich dann einen colibri halten werde.
dies ist absehbar und möglich!

wäre toll eure meinung dazu zu hören, danke an alle die reinschauen lia
abraxas
Ehrenmoderator


Anmeldungsdatum: 19.07.2004
Beiträge: 870

BeitragVerfasst am: 06. Dez 2005 19:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Liane!

Ok, Du hast zwar schon erkannt, was in dem Gedicht drinsteht... aber jetzt kommt der eigentliche Teil der Arbeit erst! --> Die Interpretation!
Was will denn der Autor damit ausdrücken?`... Hätte er eine Hand, die Hand eines Boxers, mit der er heftig zuschlagen und alles plattmachen könnte, warum bräuchte er dann einen Vogel, der so zerbrechlich ist, wie ein Kolibri?

(Meine Güte, ich hör grad die "Divsion Bell"-Platte von Pink Floyd - da passt die Vision eines kleinen Kolibris in einer groben Boxerpranke so schön... so zerbrechlich...)

http://www.rancho-de-caballos.com/ParkFotos-Dateien/Kolibri.JPG
(Quelle: http://www.rancho-de-caballos.com/ Park/Flora.htm)

_________________
Stell Dir vor es geht und keiner kriegts hin.
Lia
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Dez 2005 19:28    Titel: Antworten mit Zitat

abraxas hat Folgendes geschrieben:
Hallo Liane!

Ok, Du hast zwar schon erkannt, was in dem Gedicht drinsteht... aber jetzt kommt der eigentliche Teil der Arbeit erst! --> Die Interpretation!
Was will denn der Autor damit ausdrücken?`... Hätte er eine Hand, die Hand eines Boxers, mit der er heftig zuschlagen und alles plattmachen könnte, warum bräuchte er dann einen Vogel, der so zerbrechlich ist, wie ein Kolibri?


hallo abraxas!
weil er damit seine wahren gefühle ausdrücken möchte vielleicht?
und weil ein kolibri keine chance gegen die hand eines boxers hätte!

//edit{abraxas}: ich hab mal die Beiträge zusammengefügt...
abraxas
Ehrenmoderator


Anmeldungsdatum: 19.07.2004
Beiträge: 870

BeitragVerfasst am: 06. Dez 2005 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hey, dass ist ja mal interessant. Also darauf wäre ich nie gekommen... ;)

Aber ich habe trotzdem den leisen Verdacht, dass Klein diese Aussage eigentlich nicht wirklich beabsichtigt hat...
(Wenn man aber nur von einer gedichtimmannenten Interpretation (also: nur interpretieren was auch tatsächlich im Gedicht steht) ausgeht, kann man das unter Umständen wirklich so sehen.)

Du könntest Deinem Leher ja mal wirklich diesen Vorschlag unterbreiten - mal schauen, was der dazu sagt... ;)

Ich glaube aber eher, dass Klein hier beabsichtigt, den Kontrast zwischen dem kleinen fragilen Vogel Kolibri und der großen mächtigen Faust des Menschen herauszuheben.
Mögliche Ansätze wären:
Das lyrische Ich (lyrI) will sich trotz der Möglichkeit alles zu zerschlagen einen Kolibri zulegen, um zu sehen, dass es ganz empfindliche Geschöpfe auf der Erde gibt, mit denen man behutsam umgehen muss.
Die Faust des Boxers ist sehr groß und muss, um keinen Schaden anzurichten, den Umgang mit einem derartigen Geschöpf lernen und pflegen.

Es ist noch eines sehr auffällig an diesem Gedicht: warum hat es zwei Strophen in denen fast das Selbe steht?...

Grüße, abraxas

PS: achso... fältl mir grad auf: *verschoben*

_________________
Stell Dir vor es geht und keiner kriegts hin.
Lia
Gast





BeitragVerfasst am: 07. Dez 2005 14:58    Titel: Antworten mit Zitat

hi abraxas

genau so kann man es auch nennen einen kontrast: Die Faust eines Boxers gegen einen Kolibri!

mein vorschlag für die beiden fast gleichen texte wäre:

1. der erste text ist im konjunktiv II geschrieben worden
2. der zweite text im konjunktiv I aber warum hat klein das gemacht? grübelnd

ehrlich gesagt ich hab keine ahnung!!!

bis dann
Wink
abraxas
Ehrenmoderator


Anmeldungsdatum: 19.07.2004
Beiträge: 870

BeitragVerfasst am: 08. Dez 2005 02:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ach mist, das sind ja zwei verschiedene Texte und nicht Strophen desselben Gedichts - dann ist es allerdings recht belanglos, beide zu interpretieren - wir wollen hier keine historisch-kritische Gesamtwerksausgabe Ernst Kleins machen....

Ich glaube, dass es hier nicht um die Faust gegen den Kolibri geht, sondern um die Faust, die mit dem Kolibri zusammen existieren kann...

So, ich hab Dir mal nen Text aus dem Internet rauskopiert - wirklich sehr amüsant zu lesen...

Quelle:
http://66.249.93.104/search?q=cache:R-9xRwjZ7RoJ:www.orff-schulwerk-forum.org/pdf/Heft_Nr_65.pdf+Ernst+Klein+Colibri&hl=en&client=opera

»Hätt’ ich die gewaltige
Faust …«

Eine Einführung in das Thema
Wolfgang Hartmann


In einem Buch (»Ein Fisch mit Namen Fasch«, In-
sel Verlag, Frankfurt 1976) hatte ich folgendes
Gedicht von Ernst Klein gefunden:

Hätt ich
die gewaltige faust
von Joe Louis
fürwahr ich würd
mir
einen
winzig
kleinen
colibri
halten

Vor mir saß eine Gruppe von acht Kindern, über-
wiegend Jungen. Das Gedicht hatte ich gewählt,
da einige »Pausenhof-Vorfälle« das Nachdenken
über Gewalt nötig machten. Daß es aber nicht zu
einer hohlen pädagogischen Aktion meinerseits
kam, verdanke ich dem glücklichen Umstand, daß
die Kinder sehr schnell selbst die Regie übernah-
men. Es entspann sich folgendes Gespräch:
»Und was machen wir jetzt?« – »Ich habe ein
Gedicht mitgebracht.« – »Wir möchten aber
kein Gedicht lernen.« – »Es ist keines zum Ler-
nen, es ist nur ein kleiner Satz in Gedichtform.«
– »Laß mal hören!«
Wie man sieht, wir waren per Du… Ich begann
also mit dem Lesen der kleinen Strophe, und da
ich bei meinen kleinen Zuhörern keine Kenntnisse
Page 7
7
in Boxgeschichte voraussetzen konnte, lautete
mein Anfang so:
Hätt ich
die gewaltige faust
von Muhammed Ali…
Ich hatte ganz langsam gesprochen, aber weiter
kam ich gar nicht…
Großes Durcheinander:
»Also wenn ich eine solche Faust hätte…«
Man überbot sich an zerstörerischen Gewalt-
leistungen, zumindest verbal. In diesem Moment
ging konzeptionell die Welt unter – Apokalypse.
Sie saßen und standen, betrachteten ihre kleinen
Fäustlein, die in ihrer Fantasie herkulaneische
Ausmaße angenommen hatten und schrien wild
durcheinander. Einer hatte schließlich die Formel
für den rhetorischen Overkill gefunden und rief:
»Ich würde alle zusammenschlagen. Aus-
nahmslos alle!«
Kurzes Atemholen, allgemeine Zustimmung.
Dann rief einer aufgeregt und bestimmt:
»Nein, nicht alle! Nur die Erwachsenen, nicht
die Kinder!«
Wieder Zustimmung. Vorsichtig wagte ich mich
aus der Deckung und fragte:
»Ich müßte mich dann also vor euch in Acht
nehmen?«
Generelles Erstaunen und Großzügigkeit:
»Nein… Dich würden wir in Ruhe lassen.« –
»Und das Fräulein, dort in der Ecke? Was ist
mit der?« – »Wo?«
Jetzt hatten sie erst die hospitierende Studentin
hinten im Klassenzimmer entdeckt, die nicht
wußte, was sie bei dem Aufruhr mitschreiben
sollte. Auch sie fiel großzügig der Amnestie an-
heim. Und weil das so reibungslos gegangen war,
wurde ich absurd:
»Meine Großmutter ist eine Frau von über acht-
zig Jahren; würdet ihr die auch zusammen-
schlagen?«
Allgemeines Aufstöhnen und Augenverdrehen:
Eine alte Frau, welch wahnwitziger Gedanke!
Aber einer hatte das Gefühl, bei dieser rasanten
Zunahme von Ausnahmen die Zielgruppe wieder
etwas präziser fassen zu müssen:
»Nicht alle Erwachsenen!Aber die Bullen…!«
Während man sich mit dieser bescheideneren Lö-
sung anzufreunden versuchte, bohrte ich nach:
»Wieso alle Polizisten? Neulich war doch der
Verkehrskasperl dagewesen, das hat euch doch
gefallen!« – »Ja, aber das waren doch keine
echten Bullen!«
Ich machte die Kinder darauf aufmerksam, daß
diese Männer, die an den Münchner Schulen ein
Verkehrserziehungsprogramm durchführten, sehr
wohl zur Polizei gehörten und nur vorübergehend
dafür abgestellt waren. Außerdem hatten sie eine
Uniform und deutlich sichtbar eine Schußwaffe.
Dieser Einwand paßte nicht so recht ins Konzept,
und während man nach Lösungen suchte, rief
einer ganz entsetzt:
»Mensch, je mehr wir nachdenken, um so we-
niger bleiben übrig…«
Welch wahrer Satz! Wenn der sich nur etwas her-
umsprechen würde unter den großen und kleinen
Kriegstreibern dieser Welt, die meinen, alle Pro-
bleme nur mit Gewalt lösen zu müssen!
Nun kam die Frage, wie der Text weiterginge. So
sagte ich nun nach zehn Minuten erstmals das
ganze Gedicht.
Frage: »Was ist ein Kolibri?«
Auf meine Erklärung hin wußte einer Bescheid:
»Klar doch, dann kann er es allen zeigen…«
… und machte eine Bewegung, als würde er einen
Schwamm auspressen. Mein Einwand, daß je-
mand mit solchen Kräften es wohl nicht nötig
hätte, seine Überlegenheit an einem winzig klei-
nen Vogel zu demonstrieren, fand zögernde Zu-
stimmung.
Jetzt begann ein allgemeines Nachdenken. Man
entdeckte das »wenn ich … hätte« und fand ganz
allmählich zum Kern der Sache: das Mißtrauen
vor der eigenen, allzu großen Macht…
Ich glaube nicht, daß den am Gespräch beteilig-
ten Kindern dies alles heute noch so gegenwärtig
ist wie mir. Es war ja auch keine richtige »Unter-
richtssequenz«, die zu einem pädagogisch pro-
funden Merksatz geronnen ist. Es war nur ein Ge-
spräch, sonst nichts…

_________________
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