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Interpretieren des Gedichts "Der Nervenschwache"
 
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AmlungF
Gast





BeitragVerfasst am: 17. Mai 2014 17:14    Titel: Interpretieren des Gedichts "Der Nervenschwache" Antworten mit Zitat

Meine Frage:
Ich habe am Montag meine Präsentationsprüfung im Fach Deutsch und muss unter anderem das Gedicht "Der Nervenschwache" von Ernst Blass unter dem Aspekt der Zivilisationskritik betrachten. Ich habe nur einige probleme mit dieser Aufgabe, da ich im Internet nicht viel finde und selbst nicht schlauer werde, was das Gedicht anbelangt. Meine Frage ist nun ob mir jemand einen oder ein paar Denkanstöße zu diesem Thema geben kann, oder ob jemand das Gedicht in der Schule behandelt hat und mir vielleicht ein paar nützliche Informationen geben könnte ?



Meine Ideen:
Ich habe im Internet zu diesem Gedicht die These gefunden "Der Irre als Metapher einer kranken Gesellschaft" und denke, dass dies auch ganz gut passt.
Ich zitiere :"Der Künstler identifizierte sich mit dem Irren, da die beiden wegen ihres Außenseitertums und ihrer Abnormität von der erstarrten Gesellschaft nicht als normale Menschen angenommen werden könnten. Das, was sie noch verband, war die Auffassung, dass sie den besonders befähigten Menschen angehören, die über einen durch die Zwänge der industrialen Gesellschaft noch nicht verstellten Zugang zur ursprünglichen Quelle des Schöpfertums verfügen. Der Irre war also dieser, der mit dem utopischen Potenzial aufgeladen war, die Schwächen der Welt einzusehen und eine neue zu verkünden. Da aber niemand ihm glauben würde, blieb nur die Möglichkeit, dass seine jammervolle Existenz, seine Krankheit die anderen Menschen zur Einsicht bringt, dass es Mängel in der bestehenden Ordnung gibt, die diese Krankheit zugelassen haben. Der Irre wird zur Metapher der kranken Gesellschaft."
frosh



Anmeldungsdatum: 16.02.2014
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 18. Mai 2014 06:49    Titel: Re: Hilfe beim interpretieren des Gedichts "Der Nervens Antworten mit Zitat

Zitat:

Mit einer Stirn, die Traum und Angst zerfraßen,
Mit einem Körper, der verzweifelt hängt
An einem Seile, das ein Teufel schwenkt,
— So läuft er durch die langen Großstadtstraßen.

Verschweinte Kerle, die die Straßen kehren,
Verkohlen ihn; schon gröhlt er arienhaft:
»Ja, ja — ja, ja! Die Leute haben Kraft!
Mir wird ja nie, ja nie ein Weib gebären

Mir je ein Kind!« Der Mond liegt wie ein Schleim
Auf ungeheuer nachtendem Velours.
Die Sterne zucken zart wie Embryos
An einer unsichtbaren Nabelschnur.

Die Dirnen züngeln im geschlossnen Munde,
Die Dirnen, die ihn welkend weich umwerben.
Ihn ängsten Darmverschlingung, Schmerzen, Sterben,
Zuhältermesser und die großen Hunde.



Verzweiflung, Angst, zerfressen.
So hängt er an einem Seil.
Er geht nicht frei und selbstbestimmt, sondern hängt eben an einem Seil. Verzweifelt.
Das Seil nicht als helfend, sondern als vom Teufel gelenkt.
Der Teufel als Sinnbild für die Skrupellosen, die das Leben vorgeben.

Alle Figuren, die neben der Hauptfigur in dem Gedicht vorkommen, werden als eher feindlich dargestellt.
Verschweinerte Kerle, die die Hauptfigur verhöhnen.
Dirnen, die ihn welkend weich umwerben. Welkend.
Zuhältermesser. Große Hunde.

Die ganze Großstadtszenerie ist feindlich.
Darmverschlingen, Schmerzen, Sterben.

Die Hauptfigur als Person mit menschlichen Zügen, die er in dieser feindseligen Gesellschaft nicht ausspielen kann.

Wenns Richtung Zivilisationskritik gehen soll:
Statt gemeinschaftlichem Handeln kommt es eher zum Konkurrenzkampf. Zum Angriff auf scheinbar schwache und Nicht-Normierte.
Dann gibts da noch die gegenseitige Ausbeutung Freier-Dirne-Zuhälter etc.


Ich kannte das Gedicht nicht.
Hab mich also auch noch nicht wirklich damit beschäftigt. Das waren eher meine ersten Gedanken, die mir beim Lesen duch den Kopf gingen.
Hast du mittlerweile denn schon was Konkretes oder bislang nur die von dir genannte Internetquelle?



Vermutlich aus der selben Quelle stammt auch folgender Abschnitt:

Z. B. im Gedicht „Der Nervenschwache“ von Ernst Blass wird der Irre grob von den „Normalen“ misshandelt:
„Verschweinet Kerle, die die Straße kehren/Verkohlen ihn; schon gröhlt er arienhaft:
Ja – ja, ja – ja! Die Leute haben Kraft!/ Mir wird ja nie, ja nie ein Weib gebären!“
Die jammervolle Lage des hilflosen Kranken ist in dieser Strophe mit einer gewissen Ironie dargestellt. In der letzten Strophe steckt Kritik und eine Bitterheit ersetzt die Ironie:
„Die Dirnen zügeln im geschlossenen Munde, /Die Dirnen, die ihn welkend weich umwerben
Ihn ängsten Darmverschlingung, Schmerzen, Sterben,/Zuhältermesser und die großen Hunde.“
Die Bitterheit, dass nichts verändert werden kann, dass es schon keine Weiber gibt, sondern nur Dirnen, dass die Männer keine Männer sind, sondern verschweinte Kerle, die ihr Vergnügen nur am Misshandeln der Schwächeren finden könnten, dass der einzig Normale, der noch nicht wie die anderen vom Verfall verdorben ist, sterben muss, müsste den Leser mit einem Drang nach Veränderung erfüllen.
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